Die besten Ideen kommen von unseren Mitarbeitenden: Die Kreativwerkstatt der DRK Kliniken Berlin

Wir in den DRK Kliniken Berlin glauben, dass die besten Ideen, um den Herausforderungen im Gesundheitswesen zu begegnen, von unseren Mitarbeitenden selbst kommen. Darum haben wir unsere so genannte „Kreativwerkstatt“ gegründet.

Ein besseres Image und mehr Selbstbewusstsein für die Pflege

Die Kreativwerkstatt wird geleitet von Lea Friedrich, Alexander Warnke und Valentin Herfurth – drei Pflegefachkräften, die auf Station arbeiten, aber mit einem Teil ihrer Arbeitszeit für kreative Projekte freigestellt sind. Gemeinsam mit vielen Auszubildenden und Mitarbeitenden der DRK Kliniken Berlin setzen sie verschiedene Projekte für die Pflege um. Dabei werden sie von der DRK-Schwesternschaft Berlin unterstützt. Ziel ist dabei, ein neues berufliches Selbstverständnis, eine besseres Image und eine wertschätzende Unternehmenskultur zu etablieren. Valentin Herfurth, 24, der drei Tage die Woche in der unmittelbaren Patientenversorgung und einen Tag in der Kreativwerkstatt verbringt, erzählt.

Welche Art von Projekten hat die Kreativwerkstatt schon umgesetzt?

Besonders wichtig ist uns, dass Auszubildende schon in der Ausbildung lernen, wie Engagement funktionieren kann. Denn wir sehen, dass Veränderungen in der Pflege in ganz Deutschland notwendig sind. Deshalb organisieren wir zum Beispiel einmal im Jahr eine große Pflegekonferenz von Auszubildenden für Auszubildende, die in diesem Jahr im Oktober zum fünften Mal stattfinden wird. Auszubildende können so Veränderung anstoßen und Selbstwirksamkeit erlernen. Es ist aus meiner Sicht der effektivste Weg gegen destruktive Frustration. Deshalb sagen wir „Meckern war gestern – Machen ist heute“. Dabei entstehen größere und kleinere Ideen. Wir machen auch verschiedene Filmprojekte für das Image der Pflegeberufe und das pflegerische Selbstverständnis, wie zum Beispiel den Film Pflege 2030. Auch ein Werbefilm für die neue Klinik für Geriatrie am Standort Westend, mit dem wir Mitarbeitende gewinnen möchten, haben meine Kollegen umgesetzt.

Aktuell haben wir eine Pilotfolge für eine Pflegeserie fertiggestellt. Wir sind alle ehrenamtlich in weiteren Gruppen engagiert. Zum Beispiel organisieren wir so genannte Health Slams, eine Art Poetry Slam mit Gesundheitsbezug. Hier können Menschen ihre Erfahrungen mit dem Gesundheitswesen auf die Bühne bringen:

Für die Health Slams biete ich in der Kreativwerkstatt Schreibworkshops an.  Seit 2017 veranstalten wir einmal im Jahr den “Walk of Care”, die größte Pflegedemonstration am internationalen Tag der Pflegenden. Durch unsere Nähe zu den Kolleg*innen und den Auszubildenden, fördern wir so auch eine Politisierung der Pflegenden. Denn natürlich braucht es auch politische Veränderungen für die Pflege.

Aktuell gründe ich gerade eine Auszubildendenvertretung.  Ich hoffe, dass die Vertretung aber nicht auf arbeitsrechtliche Belange beschränkt wird, sondern unseren Auszubildenden auch Freiraum gibt, um mitzugestalten. Wie gesagt, halte ich es für sehr wichtig, dass die Auszubildenden bereits in der Ausbildung lernen, wie man sich für Verbesserungen in der Pflege engagieren kann.

Kann denn jeder Mitarbeitende der DRK Kliniken Berlin in der Kreativwerkstatt mitmachen?

Auf jeden Fall. Wir sind eine Anlaufstelle für Ideen und suchen für jedes Projekt immer wieder Freiwillige, die allerdings in ihrer Freizeit mitwirken. Bei Filmen machen zum Beispiel um die 30 bis 40 Leute mit. Zwar sind wir momentan häufig noch diejenigen, die die Kreativität in der Pflege vorleben, aber der Kreativwerkstatt kommt zunehmend auch eine koordinierende Rolle zu. So wird es auch für andere motivierte Mitarbeitende leichter nachzurücken.

Bei all unseren Projekten verlieren wir unsere Stellen- und Aufgabenbeschreibung nicht aus den Augen. So sollen wir Nachwuchs für die DRK Kliniken Berlin gewinnen, öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und Aktionen planen, unser Bildungszentrum unterstützen, die Eigenverantwortung unserer Auszubildenden stärken und dabei helfen, die Auszubildenden an unser Unternehmen zu binden. Wir sollen den Pflegeberuf mit weiterentwickeln, uns innerhalb Berlins mit anderen Ausbildungsträgern vernetzen, in den Social Media aktiv sein und auch berufspolitisches Engagement zeigen. Egal ob Weihnachtssingen oder Theater-Aktion, alle Aktivitäten zahlen auf diese Aufgabenbeschreibung ein. Dabei verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Einige Krankenhäuser scheitern daran, dass sie bessere Bedingungen vortäuschen als sie tatsächlich anbieten und Kritik unterbinden. Das ist nicht ehrlich und die Pflegenden wissen das natürlich. Durch die Freiräume, die uns für unser Engagement gegeben werden, sehen die Menschen, dass tatsächlich wichtige Veränderungen gefördert und voran gebracht werden. Eine bessere Werbung kann ein Unternehmen in diesen Zeiten aus meiner Sicht nicht machen.

Wie kommt die Kreativwerkstatt nach außen an?

Die Kreativwerkstatt ist tatsächlich ein mutiges Engagement von unseren Arbeitgebenden. Man weiß ja nie genau, was passiert, wenn man junge Leute etwas mehr von der Leine lässt. Von Anfang an hat unsere Arbeit eine große Resonanz aus der pflegerischen Fachöffentlichkeit erfahren. Es besteht ein großer Wunsch nach Entwicklung in der Pflege, und die Kreativwerkstatt ist eine tolle Möglichkeit für uns Pflegende, diese Entwicklung selbst mitzugestalten. Wir werden daher häufig auf Kongresse und Fachtagungen eingeladen um die Kreativwerkstatt und unsere Projekte vorzustellen. Immer öfter sind wir auch bei gesundheitspolitischen Veranstaltungen im Einsatz: In den letzten beiden Jahren waren wir Mentor*innen auf dem Gesundheitsberufetag der Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Letztes Jahr haben sich auch Gesundheitsminister Jens Spahn und Familienministerin Franziska Giffey bei ihrem Besuch in den DRK Kliniken die Kreativwerkstatt angesehen. Im Anschluss haben viele Auszubildende der DRK Kliniken an der Kampagne des Familienministeriums für die neue Pflegeausbildung („Mach‘ Karriere als Mensch“) mitgewirkt und wir waren bei der Startveranstaltung der Kampagne stark eingebunden.

Wie bist du selbst zum Pflegeberuf gekommen?

Nach dem Abitur habe ich überlegt, Medizin zu studieren. Aber bei einem Praktikum in der Pflege habe ich gemerkt, dass dieser Beruf im Arbeitsalltag und politisch viel spannender ist. 2018 habe ich meine Ausbildung abgeschlossen und arbeite seitdem in der Klinik für Innere Medizin, Pneumologie und Schlafmedizin am Standort Mitte. Meine Kollegen in der Kreativwerkstatt sind auf die anderen Standorte der DRK Kliniken Berlin verteilt, damit wir überall präsent sind.

Ich finde, die Pflege ist ein unglaublich toller und vielseitiger Beruf! Ja, wir haben auch Probleme, aber dadurch bekommt die Pflege gerade auch viel Aufmerksamkeit. Wir müssen diese Aufmerksamkeit nutzen, um Veränderung ins Positive zu bewirken. Die neue Finanzierung der Pflegenden in den Krankenhäusern ist ein Schritt in die richtige Richtung und gibt den Unternehmen Spielraum für eine neue Personalpolitik. Diesen Spielraum müssen wir jetzt nutzen. Ich glaube fest daran, dass Arbeitgebende ihren Mitarbeitenden den Freiraum geben müssen, sich zu engagieren. Diesen Freiraum braucht es, denn der Status quo in der Pflege kann nicht erhalten bleiben. Der Weg der DRK Kliniken Berlin mit der Kreativwerkstatt ist daher aus meiner Sicht auch für andere Unternehmen  zukunftsweisend.

Maja_Schaefer, am 25. Juni 2020
Aktuelles
Artikel teilen:
74