Nikki, 30, Krankenpflegerin von den Philippinen: „Ich möchte OP-Fachpflegerin werden“

Krankenpflegerin Nikki Cuaton kam Ende 2018 von den Philippinen nach Deutschland, um als OP-Pflegerin in der Belegabteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der DRK Kliniken Berlin Westend zu arbeiten. Nach fünfzehn Monaten sagt sie trotz einiger Herausforderungen, sie habe eine großartige Entscheidung getroffen.

Warum bist du nach Deutschland gekommen?

In meiner Heimat konnte ich nicht genug Geld verdienen, um mich um meine Familie zu kümmern. Ich muss meine Mutter und meinen Bruder versorgen und schicke ihnen so viel Geld wie es geht. Natürlich habe ich Heimweh, es ist schwer ohne Familie. Aber ich habe nette Kollegen, mit denen ich mich unterhalten kann, wenn ich Heimweh habe. Vor allem andere Kollegen von den Philippinen, die auch in den DRK Kliniken Berlin arbeiten. Wir treffen uns und sprechen auf Tagalog miteinander. Wir kochen zusammen Adobo, das ist ein Hühnergericht mit Sojasoße, Essig und Knoblauch. Oder Nilaga, das ist eine Suppe. Gewohntes Essen ist wichtig, um sich wohlzufühlen. Ich würde auch gerne für die deutschen Kollegen kochen, aber unser Essen ist ihnen zu scharf. Wenn wir einen Teamausflug machen und jeder soll etwas zu essen mitbringen, weiß ich gar nicht, was ich mitbringen soll.

Wie kommst du mit der deutschen Sprache zurecht?

Eigentlich spreche ich schon ganz gut, aber die Patienten im OP der Belegklinik verstehen mich oft trotzdem nicht. Meist sind es Kleinigkeiten, die ich falsch mache. Ich sage zum Beispiel immer „uber“, weil mir das Ü so schwer fällt. Aber für die Deutschen muss es ein Ü sein. Manchmal verstehe ich nicht, warum das so wichtig ist.

Was ist deine größte Sorge im Moment? Wobei bräuchtest du Hilfe?

Meine Wohnung ist zu teuer. Die möblierte Wohnung hat mir damals die Agentur besorgt, mit der ich nach Deutschland gekommen bin. Aber sie kostet 540 Euro im Monat Miete. Ein WG Zimmer für 200 oder 300 Euro wäre besser. Ich verdiene 1700 Euro netto. Davon schicke ich maximal 500 nach Hause, 540 zahle ich für die Wohnung. Dann bleiben mir 660 Euro zum Leben. Aber in Deutschland kostet alles Geld: Das Fernsehen, die Kreditkarte, es gibt so viele Kosten! Alleine ist es schwer für mich, eine andere Wohnung zu finden. Wegen der Arbeit habe ich einfach keine Zeit. Auch keine Zeit, eine eigene Familie zu gründen.

Wie war der Start in Deutschland für dich?

Die DRK Kliniken Berlin haben mich mit einem Sprachkurs und einem Kurs für die Kenntnisprüfung unterstützt. Drei Tage die Woche bin ich zur Arbeit gegangen, zwei Tage in die Schule. Meine Kollegen habe ich in der ersten Teamsitzung kennengelernt. Als Willkommensgeschenk habe ich von meinem Team ein „Winter-Starterpaket“ bekommen: zwei Paar Socken und eine Schachtel Tee. Das war ein schönes Gefühl, diese kleinen, süßen Dinge zu bekommen. Außerdem gab es ein Willkommensessen mit den Führungskräften. Das hat mich allerdings eher eingeschüchtert. Mein Deutsch war weniger gut als heute, ich war sehr zurückhaltend und konnte mich kaum mit den wichtigen Leuten unterhalten.

Wer war dein Ansprechpartner?

Frau Berger aus der DRK-Schwesternschaft Berlin per E-Mail und meine Mentorin im Team, OP-Pflegerin Carmen. Sie spricht Englisch, wenn ich ein Problem habe, kann ich es ihr auf Englisch oder Deutsch erklären, aber meistens bevorzugt sie Deutsch, damit ich es üben kann. Es fällt mir allerdings schwer, ein Problem auf Deutsch zu erklären.

Wie gefällt dir Berlin?

Die Stadt ist toll, aber das Wetter ist schlecht. Als ich ankam, waren es 3 Grad. Auf den Philippinen sind es 30 Grad. Ich muss hier so viel anziehen! Auf den Philippinen laufen wir immer in kurzen Hosen und T-Shirt herum. Hier ist mir immer kalt, obwohl ich drei Jacken übereinander trage.

Wie bist du mit deiner beruflichen Situation zufrieden?

Ich würde gerne OP-Fachpflegerin werden und Bereitschaftsdienste machen, weil ich dann mehr Geld verdienen würde und es meiner Familie schicken könnte. Das habe ich meinem Arbeitgeber auch gesagt. Aber wegen meiner Sprachkenntnisse darf ich nur in der Belegabteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde arbeiten. Eine deutsche Kollegin wurde befördert, obwohl sie eine ganz junge Berufseinsteigerin war und ich viel mehr Erfahrung habe. Das hat mich traurig gemacht. Für deutsche Kollegen ist es einfacher, Karriere zu machen. Trotzdem bin ich sehr zufrieden in den DRK Kliniken Berlin. Ich würde nicht in ein anderes Krankenhaus wechseln wollen. Ich habe mich hier eingewöhnt und will nicht nochmal von vorne anfangen. Aber ich hätte schon gerne eine berufliche Perspektive.

Wenn du Krankenhaus-Chefin wärst, was würdest du für Mitarbeiter aus dem Ausland tun?

Ich würde drei bis vier Personen aus einem Land im selben Team einsetzen. Sie arbeiten ja nicht alle gleichzeitig, aber man hätte dann immer mindestens einen anderen Philippiner pro Schicht als Ansprechpartner gegen das Heimweh. Ich fühle mich auf der Arbeit oft einsam, weil die anderen Deutsch sprechen. Es ist nicht so leicht, Freundschaften zu schließen. Nach der Arbeit bin ich zu müde, um mich zu verabreden. Ich möchte sofort nach Hause und mit meiner Familie telefonieren. Aber ich habe immerhin schon dreimal mit meiner Mentorin Carmen Kuchen gebacken. Das hat Spaß gemacht. Trotz aller Herausforderungen, die es gibt, wenn man seine Heimat verlässt, war es eine großartige Entscheidung, nach Deutschland zu gehen!

Text: DRK Kliniken Berlin/Maja Schäfer

Maja_Schaefer, am 26. Juni 2020
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