„Auch Ärzte brauchen mal eine Auszeit“: Friedemann, Assistenzarzt und Organisator der Medimeisterschaften

Eine neue Generation von Ärzten wächst heran. Ärzte, die nicht als Halbgötter in Weiß wahrgenommen werden möchten. Sondern als Kreativköpfe, die auch mal eine Auszeit brauchen, um Kraft für ihren verantwortungsvollen Beruf zu tanken. Dr. Friedemann Egender (Titelfoto), Assistenzarzt in der Anästhesie und Intensivmedizin der DRK Kliniken Berlin Köpenick, erzählt.

Warum bist Du Arzt geworden?

Ich habe meinen Zivildienst in der Pflege gemacht und fand es cool, im Krankenhausalltag mit Menschen umzugehen. Dazu kamen meine guten Lateinnoten und mein Nebenjob bei einem ambulanten Pflegedienst. Ich bekam sofort einen Studienplatz für Medizin in Kiel und fühle mich immer sicherer in meiner Entscheidung.

Als Assistenzarzt in der Anästhesie und Intensivmedizin versuche ich gerade, meinen Schwerpunkt in der Notfallmedizin zu finden. Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln, schaue aber nicht allzu weit in die Zukunft. Ob ich mit meinen vielen Ideen und nebenberuflichen Engagements als Chefarzt taugen würde? Keine Ahnung!

Was sind das für Engagements?

Ich habe ein Netzwerk gegründet, das Flüchtlinge durch den Behördenirrsinn führt. Wir begleiten sie auf Ämter, bringen ihnen Deutsch bei und helfen bei der Wohnungs- und Jobsuche. Und seit 2012 organisiere ich zusammen mit Dr. Tobias Heising die Medimeisterschaften.

Das ist ein Sportfestival von Medizinern für Mediziner, das 2002 als kleines Fußballturnier für Medizinstudenten in Bochum begonnen hat und inzwischen zu einem Event mit 25.000 Teilnehmern und 220 Mannschaften aus Deutschland und von deutschsprachigen Universitäten aus ganz Europa geworden ist. Tobias und ich haben eine Firma gegründet, um das Event zu professionalisieren. Auch wenn wir unbedingt den studentischen Charakter erhalten wollen.

Wie ist die Atmosphäre bei den Medimeisterschaften?

Unbeschreiblich! Die Mannschaften kommen in Kostümen, zum Beispiel als Pinguine oder Mönche verkleidet. Sie bringen ihre Fans mit, die selbstgebaute Fan-Wagen dabei haben. Die Universitäten organisieren Bühnen und ein Musikprogramm. Außer dem Fußballturnier werden inzwischen Wettkämpfe im Volleyball, Basketball und in Partydisziplinen wie Flunkyball (ein Bier-Trinkspiel) oder Bubble-Soccer ausgetragen.

Was verrät uns das über den Ärztenachwuchs?

Inzwischen sind die Alumnis, die als Studierende bei den ersten Medimeisterschaften dabei waren, selbst schon gestandene Oberärzte oder Professoren und beweisen, dass eine junge Generation von Ärzten heranwächst, die nichts mehr mit dem Klischee vom „Halbgott in Weiß“ zu tun hat.

Wir sind sportlich, aber wir sind vor allem auch kreativ. Wir brauchen einen Ausgleich zum engen Korsett des verschulten Medizinstudiums und zum Druck der Verantwortung, die man als Arzt jeden Tag trägt. Die Medimeisterschaften bieten Medizinern einen Spielplatz, eine Auszeit, während der wir neue Kraft für unseren verantwortungsvollen Beruf tanken.

Wir hantieren als Ärzte mit Menschenleben und es wird von uns erwartet, dass wir immer seriös sind. Doch als Menschen hinter dem Kittel sind wie vielfältig. Wir möchten nicht durch die vielen Routinen im Berufsalltag abstumpfen und manchmal brauchen wir einen Selbstbewusstseinsschub, wenn wir zweifeln, ob wir den Erwartungen, die an uns gerichtet werden, gerecht werden können. Und dabei helfen die Medimeisterschaften, bei denen unheimlich viel Energie entsteht.

Werde Arzt in den DRK Kliniken Berlin! Gib dazu einfach in unserer Stellenbörse „Arzt“ in das Suchfeld ein oder wähle in der erweiterten Suche deinen Wunschstandort und die Berufsgruppe „Ärztin / Arzt“ aus.

Eine Energie, die noch lange nach dem Event nachwirkt…

Ja, in den vier Festivaltagen jedes Jahr entstehen viele Projektideen. Es wurden schon über 200 Fanvideos gedreht, die man auf YouTube anschauen kann, es wurden Songs aufgenommen, die es bei Spotify auf Platz 1 geschafft haben.

Es wurden aber auch wissenschaftliche Studien angeregt, die zum Beispiel die Wirkung von Alkohol auf das Verletzungsrisiko beim Kleinfeldfußball untersuchen. Es gibt Umwelt- und Nachhaltigkeitsprojekte und Initiativen zur Verbesserung des Praktischen Jahrs.

Wegen Corona sind die Medimeisterschaften leider dieses Jahr ausgefallen…

Es wäre der Supergau gewesen, wenn sich 25.000 Ärzte bei einem Festival mit Corona infiziert hätten! Darum haben wir eine digitale Medimeisterschaft mit einer Talkshow und vielen Fanvideos aus den vergangenen Jahren gefeiert. Wir hoffen sehr, dass nächstes Jahr wieder eine richtige Medimeisterschaft stattfinden kann, und arbeiten schon am Hygienekonzept. Als Ärzte haben wir dazu natürlich die besten Kontakte und können mit unserem Konzept, wenn es fertig ist, sicher auch anderen Veranstaltern helfen.

Wie verbindest Du das alles mit Deinem Vollzeitjob als Arzt?

Durch die Routine nach vielen Jahren Medimeisterschaften und unser großes Orgateam bin ich eher Supervisor und kann meinen Vollzeitjob als Assistenzarzt in der Anästhesie und Intensivmedizin der DRK Kliniken Berlin Köpenick gut damit verbinden. Abgesehen davon: Wenn mir etwas Spaß macht, dann engagiere ich mich gerne!

Bilder: MediMeisterschaften GmbH & Co. KG

Text: DRK Kliniken Berlin/Maja Schäfer

Maja_Schaefer, am 03. August 2020
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