Endoskopieschwester Agi geht in Rente – naja, fast

Endoskopie

Mit einer frischen Urlaubsbräune im Gesicht kommt Pflegefachfrau Agnes zum Interview. Ihren Renteneintritt hat sie soeben mit einem dreiwöchigen Costa Rica-Urlaub gefeiert. Direkt danach ist sie direkt in den Funktionsdienst zurückgekehrt – um weiterzuarbeiten. Warum sie sich nicht den ganzen Tag nur ihren zahlreichen Hobbies widmen möchte und was sie in ihrem langen Berufsleben in der Endoskopie gelernt hat, erzählt sie im Interview.

Wie war der Urlaub?

Toll! Das war meine erste Fernreise seit längerer Zeit – zuletzt war ich vor sechs Jahren in Myanmar. Ich habe zu meinem Lebenspartner gesagt: Ich muss meinen Resturlaub vor dem Renteneintritt nehmen, wollen wir nicht eine große Reise machen? Zuerst war Kuba angedacht, aber dann haben wir uns doch für Costa Rica entschieden. Wir waren mit dem Mietwagen u.a. im Nebelwald-Reservat Monteverde, im „Schildkrötendorf“ Tortuguero und an der Pazifikküste. Dort hatten wir eine tolle Unterkunft bei einer niederländischen Aussteigerin. Es war praktisch ein Freiluftzimmer mit dünnen Bambussichtschutz, Bett und Moskitonetz. Wir konnten auf den Fluss schauen und beim Frühstückskaffee die Brüllaffen beobachten.

Drei Wochen lang war jeden Tag ein Abenteuer, einmal mussten wir durch ein Flussbett fahren, weil die Straße kaputt war. Wir haben eine Kanutour gemacht, Nationalparks besucht, sind gewandert, so gut das bei der Hitze geht, haben aber auch mal in Ruhe ein Buch gelesen. Ich habe mich so frei gefühlt! Und trotzdem, wenn ich mich gefragt habe, ob ich immer so leben könnte, war mir sofort klar, dass ich Struktur in meinen Tagen brauche und dass ich mich freue, wieder in die Endoskopie zurückzukehren. Meine Kolleg*innen haben mir eine Schärpe gebastelt, auf der steht: „Endlich Teilzeit-Rentnerin!“ Das passt. Das Unternehmen hat ein Frühstück für das Team bezahlt.

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In welcher Form wirst Du weiterarbeiten?

Ich werde erstmal befristet auf ein Jahr einen Midijob machen, dann sehen wir weiter. Das sind 12 Stunden in der Woche ohne Rufbereitschaften. Darüber bin ich froh, denn es fiel mir in letzter Zeit immer schwerer, nachts um drei ins Krankenhaus zu kommen, um eine Blutung zu stillen und dann total aufgeputscht ins Bett zurückzukehren, wo man dann sowieso nicht mehr schlafen kann. Die Praxisanleitung habe ich nach vielen Jahren auch an eine junge Nachfolgerin abgegeben, denn dazu fehlt mir dann die Zeit – vor allem für die Pflichtfortbildungen.

Aber ich war immer schon ein aktiver Mensch und möchte weiterhin gebraucht werden und meinen Kopf anstrengen. Mit 40 Jahren Berufserfahrung kann ich – auch wenn ich damit nicht angeben will – sicher einiges an die jüngeren Kolleg*innen weitergeben. In Zeiten des Fachkräftemangels freut sich das Unternehmen natürlich besonders darüber. Mir hat der Job immer Spaß gemacht, auch wenn es mal stressig war. Darum habe ich der Pflegedienstleiterin auch gesagt, dass ich wirklich nur in der Endoskopie weiter eingesetzt werden möchte. Hier weiß ich, was zu tun ist, wie man einen sterilen Tisch aufbaut. Ich fange mit 66 Jahren nicht noch an, mich in den Stationsalltag einzuarbeiten!

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Welche Lehren nimmst Du aus 40 Berufsjahren mit?

Wir sehen hier in der Endoskopie schlimme Diagnosen bei jungen Menschen, die im Traum nicht damit gerechnet haben, jetzt schon an Krebs zu erkranken. Und privat gab es auch einen Schicksalsschlag. Vor neun Jahren ist mein Mann nach 30 Jahren Ehe völlig unerwartet im Urlaub verstorben.

Daraus lernt man, dass man dankbar für seine Gesundheit sein sollte. Und für den Halt, den man im Freundeskreis und im Team hat. Die Kolleg*innen haben mir damals immer gesagt: „Leg Dich hin, wenn es Dir nicht gut geht!“ Aber ich habe gesagt: „Gebt mir eine Aufgabe, ich will einfach weiterarbeiten!“ Erst viel später konnte ich mich mit der Trauer auseinandersetzen, eine Therapie hat mir dabei sehr geholfen.

Nun versuche ich einfach, in der Maschinerie des Krankenhauses Mensch zu bleiben. Ich nehme die Patient*innen auch mal in den Arm und versuche, ihnen Hoffnung zu machen: „Vielleicht bringt ja die Chemo etwas, geben Sie die Hoffnung nicht auf!“

Welche Pläne hast Du noch für Deinen Ruhestand?

Ich habe seit 13 Jahren einen Schrebergarten in der Nähe meiner Wohnung in Schöneberg, dort kann ich in fünf Minuten mit dem Rad hinfahren und Gemüse anbauen oder mich auf die Liege in die Sonne legen. Ich male aber auch gerne in einer angeleiteten Malgruppe und werde im Herbst eine Ausstellung im Café-Restaurant „Weißer Elefant“ haben. Dort zeige ich meine zahlreichen Aquarelle und Acryl-Gemälde, die über die Jahre zusammengekommen sind, und verkaufe sie auch. Malen ist wirklich etwas Wunderbares. Ich tauche oft derart in die Bilder ein, dass ich gar nicht mehr ansprechbar bin. Nach zweieinhalb Stunden bin ich tiefenentspannt.

Interview: DRK Kliniken Berlin / Maja Schäfer

Maja_Schaefer, am 21. Mai 2024
Gastroenterologie, Westend
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