Unsere singende Westernreiterin Ute: Mitarbeitergeschichten aus den DRK Kliniken Berlin

Ute Spiegel arbeitet als Krankenpflegerin in den DRK Kliniken Berlin Westend – normalerweise Teilzeit in der Frauenklinik, in der Corona-Krise Vollzeit auf der Intensivstation. Ute hat viele Hobbys: singen, reiten, Bogenschießen. Unglaublich, wie sie neben dem herausfordernden Pflegeberuf so umtriebig sein kann! Im Interview verrät sie ihr ganz persönliches Work-Life-Balance-Rezept.

Wie kamst du zum Singen?

Ich wohne in Schwante, einem Dorf im Landkreis Oberhavel, und dort gibt es für Kinder und Jugendliche nicht viel zu erleben. Weil meine eigenen Söhne davon auch betroffen waren, habe ich im Jahr 2000 ehrenamtlich einen Kinder- und Jugendclub gegründet und geleitet. Dort hatten wir auch ein Musikstudio, weil einer der Betreuer Musiker in einer Coverband war. Einmal gab es einen Auftritt mit der Jugendband, doch keiner hat sich getraut zu singen. Da habe ich mich kurz entschlossen freiwillig gemeldet.

Und dann hattest du sogar einen Auftritt bei „The Voice of Germany“!

Das kam genauso zufällig. Ich habe lange meine Eltern gepflegt, und als sie beide verstorben waren, habe ich mir drei Monate Sonderurlaub genommen, um mich davon zu erholen. In dieser Zeit habe ich in einem Wohnwagen bei meinen Pferden gewohnt und meinen ersten eigenen Song geschrieben. Vorher hatten wir ja nur gecovert. Der Song war ein Geburtstagsgeschenk für einen befreundeten Westernreittrainer, ein Imagesong. Ich habe ein Studio gesucht, um diesen Song mit einem anderen befreundeten Musiker einzuspielen.

Wir fanden ein Studio in Neuruppin und der Besitzer hat gemeint, er hätte noch andere Songs in der Schublade, ob ich die auch einsingen möchte. Und seitdem mache ich Musik, obwohl ich nie Gesangsunterricht hatte! Ich habe eine CD unter dem Künstlernamen Ally McMirror produziert und mein Produzent hat mich bei „The Voice of Germany“ angemeldet. Der Auftritt war zwar nicht so erfolgreich, aber es war eine gute Werbung für mich. Mir kam es nicht aufs Gewinnen an, ich hab das für mich gemacht, nicht für eine Jury.

Wie vereinbarst du deine Hobbys mit dem Pflegeberuf?

Der Pflegeberuf steht an erster Stelle. Er sichert meine Existenz. Als meine Söhne noch klein waren, konnte ich nur halbtags arbeiten. Dabei habe ich in der DRK-Schwesternschaft Berlin, meinem Arbeitgeber, einen tollen Partner gehabt. Die Schwesternschaft hat mir alles ermöglicht, was nötig war, um meine Kinder, meinen Beruf, meine nebenberuflichen Aktivitäten und meine pflegebedürftigen Eltern unter einen Hut zu bringen. Und dann auch den Sonderurlaub.

Inzwischen sind meine Söhne erwachsen, doch ich arbeite normalerweise immer noch Teilzeit – in der Frauenklinik der DRK Kliniken Berlin Westend. Für mich ist das die perfekte Work-Life-Balance, um langfristig in diesem manchmal anstrengenden Beruf bleiben zu können. Mein Rezept ist: Gut dosiert arbeiten, dann bleibt man länger am Ball. Während der Corona-Krise arbeite ich jetzt allerdings Vollzeit auf der Intensivstation. Und daraus ergeben sich beruflich jetzt doch nochmal neue Ziele?

Was sind denn deine beruflichen Ziele?

Die Arbeit auf der Intensivstation gefällt mir sehr gut. Dort habe ich damals nach der Ausbildung auch gearbeitet. Ich merke, dass ich mich immer noch gut damit auskenne und dass es viel Spaß macht. Es ist ein total anderes arbeiten, mehr Action als auf den peripheren Stationen. Ich möchte den Pflegejob nicht halbherzig machen.

Und was würde sich ändern, wenn du musikalisch den Durchbruch erleben würdest?

Natürlich probiert man, einen Hit zu produzieren, aber es gehört eine Menge Glück und Engagement dazu. Mit der Musik Geld zu verdienen bedeutet: viele Auftritte absolvieren. Mit CD-Verkäufen verdient man heute durch die Streaming-Plattformen kein Geld mehr. Man muss Eintrittskarten verkaufen. Und dafür habe ich neben dem Beruf keine Zeit. Insofern wird das mit dem großen Durchbruch vielleicht nichts. Das ist aber auch nicht schlimm.

Ich bin keine zwanzig mehr, denke nicht mehr, ich werde Superstar. Ich finde es einfach schön, in vielen Sachen aktiv zu sein. Ich mache es, weil ich es gerne mache und weil ich es kann. Ich singe auch viel während der zwei Stunden im Auto, wenn ich zur Arbeit und zurück fahre, denn ich habe 50km Anfahrtsweg. Dann überlege ich mir auch neue Texte.

Welche Tipps hast du für Berufseinsteiger in der Pflege?

Man bleibt länger im Pflegeberuf, wenn man sich nebenbei auch mit anderen Dingen beschäftigt. Dadurch lässt sich die psychische Belastung besser bewältigen. In der Frauenklinik habe ich es mit Fehlgeburten, Krebs- und Schmerzpatientinnen zu tun. Das sind viele Schicksale. Wenn man ein bei der Geburt verstorbenes Kind aus dem Zimmer tragen muss, ist das psychisch eine Herausforderung.

Aber diese Fälle lehren mich auch viel über das Leben. Im Nachtdienst habe ich manchmal tolle Gespräche mit Krebspatientinnen im Alter von Mitte dreißig bis fünfzig Jahren. Alle sagen zu mir, sie hätten so gerne noch so viele Dinge im Leben gemacht. Wenn ich das höre, denke ich mir: Die haben total recht! Man sollte das nicht aufschieben, sondern es sofort machen!

Andere besondere Momente erlebe ich mit neugeborenen Kindern, glücklichen Eltern oder onkologische Patientinnen, die viele Jahre nach ihrer Krebserkrankung noch ein schönes Leben haben. Gerade in der Frauenklinik baut man wirklich eine Bindung zu den Patientinnen auf!

Text: DRK Kliniken Berlin/Maja Schäfer

Foto: SAT.1/ProSieben/André Kowalski

Maja_Schaefer, am 16. Juli 2020
Hobbys
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