„Wir schaffen Konflikte sofort aus der Welt“: Gabriele, Pflegehelferin im „Pflege und Wohnen Mariendorf“

Gesundheits- und Krankenpflegehelferin Gabi arbeitet seit fast 17 Jahren in unserer Pflegeeinrichtung „Pflege und Wohnen Mariendorf“, die vom Tagesspiegel zum „Besten Arbeitgeber Pflegeheim 2020“ gekürt wurde. Nachdem ihr Team lange Zeit sehr stabil war und freie Stellen sofort durch interne Wartelisten besetzt wurden, gibt es derzeit eine der seltenen Gelegenheiten für externe Bewerber*innen, eine Stelle dort zu bekommen. Darum haben wir Gabi gebeten, euch etwas über „ihren“ Wohnbereich zu erzählen.

Wie bist Du zum Pflegeberuf gekommen?

Meine Mutter ist Krankenschwester gewesen, ich habe ein Schulpraktikum in der Pflege gemacht… irgendwie hatte ich gar keine Vorstellung, was ich sonst beruflich hätte machen sollen. Ich habe die dreijährige Pflegeausbildung angefangen, doch dann kamen meine beiden Söhne auf die Welt. Sie sind heute 40 und 39 Jahre alt und arbeiten als Landschaftsbauer beziehungsweise Maler und Lackierer.

Nach der Kinderpause habe ich dann doch „nur“ noch den einjährigen Abschluss als Gesundheits- und Krankenpflegehelferin fertig gemacht, bin aber immer zufrieden damit gewesen. Die Arbeit ist abwechslungsreich: Grundpflege, kleinere Verbände anlegen, Medikamente stellen, Telefonate führen, Schreibarbeit am Computer, …

Hast Du schon immer im Pflegeheim gearbeitet?

Eigentlich ja, mit einem kurzen Ausflug in die Hauspflege. Zuerst war ich in einer kleinen privaten Pflegeeinrichtung. Es gab nie genug Material und Wäsche. Handtücher und Waschlappen, die ich zu Hause aussortiert hatte, habe ich oft zur Arbeit mitgebracht. Wenn der Chef einkaufen war, mussten wir alle mit anpacken und das Auto ausladen.

Irgendwann ist eine Gruppe Stammmitarbeiter*innen zu einem größeren Arbeitgeber gewechselt und ich bin mitgegangen. Dort war ich 12 Jahre, bis mir betriebsbedingt gekündigt wurde. Sowas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen! Danach habe ich mich bei verschiedenen Pflegeeinrichtungen in der Nachbarschaft beworben und bin 2006 im „Pflege und Wohnen Mariendorf“ gelandet. Zwei Jahre noch, dann gehe ich in Rente!

Wie würdest Du die Arbeitsatmosphäre beschreiben?

Ich kann nur für meinen Wohnbereich „Im Rosengarten“ sprechen, wo wir die typische Mischung aus Senior*innen mit Erkrankungen wie Demenz oder Parkinson betreuen. Hier geht es sehr familiär und freundlich zu. Wenn man länger dabei ist, merkt man, wie erstaunlich offen auch die „Obrigkeiten“ im Erdgeschoss für jeden Mitarbeitenden sind. Es wird immer nach Lösungen gesucht, wenn es im Team einmal Missmut gibt. Und es gibt Lob und aufmunternde Worte, das tut auch gut. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, alle Konflikte sofort aus der Welt zu schaffen, damit man am nächsten Tag wieder mit einem guten Gefühl zur Arbeit kommen kann.

Du möchtest Gabis Kollege*in werden? Dann bewirb Dich hier als Altenpfleger:in / Krankenpfleger:in / Pflegefachkraft beim „Besten Arbeitgeber Pflegeheim 2020“ in Mariendorf!

Welche Erlebnisse aus dem Arbeitsalltag bleiben Dir im Gedächtnis?

Naja, es ist im Pflegeheim nicht wie im Fernsehen, dass alle Senior*innen immer gut frisiert am Tisch sitzen und Mensch ärgere Dich nicht spielen. Es gibt auch welche, die mit Kontrakturen gekrümmt im Bett liegen. Es gibt Tage, an denen man nicht weiß, wo einem der Kopf steht, weil neben der normalen Pflegearbeit der Handwerker etwas von einem will, Wäsche bestellt werden muss, Bewohner*innen zum Friseur gebracht werden möchten und dann noch das Telefon permanent klingelt.

Es gab eine Frau mit einem Prolaps, die ständig das Gefühl hatte, auf die Toilette zu müssen, und viel gejammert und geschimpft hat. Da kamen mir schon mal die Tränen der Enttäuschung, wenn ich das Gefühl hatte, ich gebe alles, was ich kann, aber es reicht einfach nicht.

Was machst Du dann, um abzuschalten?

Wir Kolleg*innen kümmern uns umeinander. Man merkt, wenn jemand einen schlechten Tag hat, und sagt zu ihm oder ihr: „Jetzt setzt Dich erstmal hin und trink einen Kaffee!“ Dann besinnt man sich gemeinsam darauf, dass auch wieder bessere Tage kommen. Die schimpfende Bewohnerin zum Beispiel, von der ich eben erzählte, hatte auch ihre lichten Momente, in denen sie ganz lieb zu mir gesagt hat: „Jetzt setz Dich mal zu mir, Gabi!“

Wir bekommen auch Unterstützung von Deeskalationsmanager Ronny, der Teamworkshops mit uns veranstaltet. Durch ihn ist mir einiges klargeworden. Wir sind zum Beispiel viele Kolleg*innen mit Humor und einer offenen Art, die gleich sagen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben. Doch zwei von uns sind eher verschlossen und man hat manchmal das Gefühl, dass sie etwas gegen einen haben. Ronny hat uns erklärt, dass nicht alle Menschen gleich ticken. Und dass Mitmenschen nicht unbedingt sauer oder genervt sind, nur weil sie still sind. Es ist eben einfach ihr Charakter, vielleicht trauen sie sich auch nicht, vor anderen zu sprechen. Aber sie bringen auf jeden Fall ihre positiven Einflüsse ins Team, denn ruhig zu bleiben, ist im stressigen Pflegealltag oft genau das Richtige.

Und dann gibt es zur Ablenkung ja auch das Privatleben. Ich habe meine beiden Söhne und meine Katze und mache Zirkeltraining bei Mrs. Sporty. Hier im „Pflege und Wohnen Mariendorf“ werden auch Yoga, Pilates und Rücken-Kurprogramme angeboten, doch ich kann mein Haustier nicht solange alleine lassen, deshalb habe ich das Angebot noch nicht wahrgenommen.

Nachdem wir über die schwierigen Momente gesprochen haben, was sind die guten?

Ich freue mich immer auf die Mitarbeiterfeste wie dieses Jahr im Spindler & Klatt, gemeinsame Dampferfahrten mit dem Team oder den jährlichen Weihnachtsbasar! Jeder Wohnbereich bietet etwas Selbstgemachtes an – Kekse, Quarkbällchen, Brot und Schmalz zum Beispiel. Unsere Stellv. Wohnbereichsleiterin Inna und ich gehen einkaufen und kochen gemeinsam, das macht wirklich Spaß, dafür opfern wir gerne unsere Freizeit. Beim Basar stehen wir an unserem Stand, die Bewohner*innen und Angehörigen laufen oder fahren vorbei, wir preisen unsere „Waren“ an und kommen auf ganz andere Weise ins Gespräch als im Pflegealltag – auch mit den Kolleg*innen aus den anderen Wohnbereichen.

Mit „meiner“ Stellv. Wohnbereichsleiterin Inna verbindet mich ohnehin ein besonderes Verhältnis. Ich kenne sie schon von meinem vorigen Arbeitgeber und ich hatte ihr damals vorgeschlagen, ins „Pflege und Wohnen Mariendorf“ zu wechseln. Als ich sie kennenlernte, war sie gerade aus Kasachstan nach Deutschland gekommen und sprach kaum ein Wort Deutsch. Ich habe mit ihr geübt und ihr alles gezeigt. Zu beobachten, wie sie dann Karriere in unserer Pflegeeinrichtung gemacht hat, macht mich sehr stolz!

Interview: DRK Kliniken Berlin / Maja Roedenbeck Schäfer

Du bist wie Gabi gelernte Pflegehelfer*in mit einjähriger Ausbildung oder Pflegeassistent*in mit Pflegebasiskurs? Auch mit diesen Qualifikationen kannst Du Dich gerne bewerben!

Maja_Schaefer, am 23. November 2022
Geriatrie | Altenpflege
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