„In jedem Alter kann man etwas Neues lernen“: Altenpflegerin Tanja wagt sich aufs Skateboard

Ob auf Station oder auf dem Skateboard – Tanja gibt einhundert Prozent! Konzentration, Selbstvertrauen und Mut sind sowohl bei ihrer Arbeit im Intermediate Care Bereich (IMC) als auch beim Besuch in der Skatehalle Berlin ganz wichtig. Unsere Altenpflegerin hatte den Gutschein für einen Skate-Kurs bei einer Mitmachaktion in unseren Social Media-Kanälen bekommen. Nun durften wir sie begleiten, als sie ihn einlöste.

Was verbindet das Skaten und die Pflege?

Auf Instagram haben wir unseren Follower:innen gefragt, was eigentlich Pflege und Skaten verbindet. Denn wir finden, da gibt es durchaus Gemeinsamkeiten – und unterstützen deshalb die Skatehalle Berlin. Die schönste Antwort bei unserer Mitmachaktion kam aus Köpenick:

„Skaten und Pflege sind generationenübergreifend und interkulturell. Mein Sohn mit seinen bald sechs Jahren hat seine ersten Skateboardfahrten hinter sich und ich würde meine Skills aus der Kindheit gerne etwas auffrischen“, schrieb Altenpflegerin Tanja und sicherte sich damit einen Gutschein für einen Kurs in der Skatehalle Berlin.

Aufregung und Vorfreude geben sich die Hand

Wir treffen Tanja am Eingang der Skatehalle. „Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat!“, sagt die Altenpflegern sichtlich nervös. „Ich bin als Kind geskatet, aber das ist schon Jahre her und ich weiß nicht, ob ich überhaupt noch auf dem Board stehen kann. Ich bin echt aufgeregt!“

Zuerst muss Tanja eine Entscheidung treffen: Welches Board möchte ich fahren? Sie entscheidet sich für eins mit einem Blättermuster. Zur Ausrüstung, die von der Skatehalle Berlin zur Verfügung gestellt wird, gehören auch Knie- und Ellenbogenschoner und ein Helm.

Es geht aufs Board

Bevor Tanja alleine losfahren darf, gibt es noch eine Anleitung von unserem Kollegen Alex. Der Projektmanager für Corporate Social Responsibility hat die Kooperation initiiert. Er schraubt noch etwas am Board, um es für Tanjas Bedürfnisse anzupassen und beginnt mit einer Wiederholung der Basics: Wie steht man richtig auf einem Skateboard? Worauf muss man beim Fahren achten? Und, das Wichtigste: Wie verhält man sich beim Hinfallen, damit man sich nicht verletzt? Dann gilt es nur noch, die Schuhe gut zuzuschnüren, und es geht los!

Erst nach zwei Stunden gönnt sich Tanja eine Pause. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend ist!“, beschreibt sie strahlend ihren ersten Eindruck. „Aber es macht richtig Spaß! Ich habe mir extra noch einen Pulli eingepackt, weil ich dachte, dass mir vielleicht kalt sein wird in der Halle. Aber nach ein paar Minuten wurde ich eines Besseren belehrt.“

Vier Tricks in der ersten Session gelernt!

Alex hat Tanja die ganze Zeit begleitet und ihr weitere Techniken und Tricks gezeigt. „Nach der heutigen Schnupperstunde kann Tanja schon vier Tricks! Sie schlägt sich super durch“, findet Alex. „Dazu muss man sagen, dass nur 1,8 Prozent der Deutschen überhaupt auf dem Brett stehen können und sie fährt schon selbständig.“

Einfach war das allerdings für Tanja nicht. „Ich möchte mich bei Alex für seine Geduld bedanken“, sagt die Altenpflegerin. „Auf dem Board ist es wie im Leben: Nicht jeder Trick gelingt und man fällt auch mal hin. Aber Hauptsache ist, dass man es immer wieder probiert und sich nicht unterkriegen lässt. In der Skatehalle sieht man ja, dass auch die Profis fallen.“

Tanjas (Um-)Weg in die Pflege

Wie ist es aber dazu gekommen, dass ein skatendes Mädchen zur Altenpflegerin und Mutter geworden ist? Nach der 10. Klasse wollte Tanja nicht mehr in die Schule gehen, sondern etwas mit Musik machen. Beim Arbeitsamt wurde ihr gesagt, dass es keine Ausbildungsberufe im musikalischen Bereich gibt, die ihr vermittelt werden können. Darum hat sie sich erstmal für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) entschieden.

Tanja merkte von Anfang an, dass ihr die Arbeit mit Menschen Spaß macht und sie wurde auf einer internistischen Station eingesetzt. „Die Arbeit hat mir gefallen, aber ich wurde häufig mit Tod und Sterben konfrontiert, was für mich als 16-jähriges Mädchen sehr belastend war.“

Nach einem kurzen Ausflug in die Kinderpflege und einem Praktikum bei einem Radiosender konnte Tanja zumindest den Wunsch, musikalisch tätig zu werden, umsetzen. Sie hat das DJ-ing für sich entdeckt und war bis zu ihrer Schwangerschaft bundesweit auf LGBTIQ+ Events als DJane unterwegs. Parallel dazu startete sie eine 1-jährige Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegehelferin und absolvierte gleich danach die 3-jährige Ausbildung als Altenpflegerin.

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Es läuft nicht alles wie am Schnürchen

Leider musste ihre Praxiseinrichtung während der Ausbildung schließen. „Ich war im 2. Jahr und nicht besonders traurig, weil ich sowieso lieber wieder ins Krankenhaus wollte“, erzählt Tanja. „Meine damalige Kursleitung konnte mir einen Platz in einer geriatrischen Klinik in Ulm vermitteln, in der ich meine Ausbildung abschloss.“

Wegen der Liebe nach Berlin

Nach einigen Jahren im Süden Deutschlands traf Tanja die Entscheidung, in die Hauptstadt zu ziehen. Der Grund? Die Liebe! „In Berlin haben meine Exfrau und ich unseren Sohn bekommen“, erzählt Tanja.

Die Regenbogenbeziehung ist leider nach einigen Jahren zerbrochen, aber Tanja ist in Friedrichshagen wohnen geblieben. „Der Ort ist sehr gut an die Stadt angebunden und es ist sehr schön hier. Wir wohnen nicht weit von den DRK Kliniken Berlin Köpenick und der Weg zum Müggelsee ist auch sehr kurz. Ich finde es übrigens auch schön zu wissen, dass die DRK Kliniken Berlin sich vorgenommen haben, Diversity zu fördern. Dadurch habe ich Pflegefachkraft Bella aus dem Standort Westend kennengelernt und wir arbeiten gemeinsam daran, einen Stammtisch für LGBTIQ Personen und nonbinäre Kolleg:innen zu organisieren.“

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„Man braucht einen guten Plan“

Schichtdienst, Kindergarten, getrennte Wohnungen: Wie schafft es Tanja, alles unter einen Hut zu bekommen? „Man muss sich gut organisieren und absprechen. Spät- und Nachtdienste mache ich zum Beispiel nur, wenn mein Sohn bei meiner Exfrau ist. Wenn man will, findet man für alles eine Lösung.“

Eine wichtige Rolle spielt auch der Arbeitgeber. „Ich habe direkt nach meiner Elternzeit bei den DRK Kliniken Berlin Köpenick angefangen. Im Januar 2017 hatte ich meinen ersten Dienst auf der gastroenterologischen Station. Die Arbeit dort hat mir Spaß gemacht, aber ich wollte mich weiterentwickeln und habe innerhalb des Krankenhauses die Station gewechselt. Seit August dieses Jahres bin ich auf der IMC“, erzählt Tanja.

„Ich bin froh, dass ich mir diesen Schritt zugetraut habe. Ich lerne hier sehr viel, da viele Krankheitsbilder anders sind als die, die ich bisher betreut habe. Dazu hat die Station zwei Bereiche: den internistischen, den ich schon kenne, und den chirurgischen, vor dem ich sehr viel Respekt habe. Chirurgisch habe ich in all den Berufsjahren nie gearbeitet, aber ich merke, wieviel Spaß es mir macht, so viel Neues zu lernen. Und ich habe sehr nette Kolleg:innen, die mich in neue Themen ausführlich einarbeiten.“

Jung und Alt profitieren voneinander

Laut Tanja hat die Arbeit in der Pflege mit dem Skaten viel mehr gemeinsam als auf den ersten Blick auffällt. „Sowohl in der Pflege als auch in der Halle kann man genau beobachten, wie viel man gewinnt, wenn man zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Die Jungen profitieren von der Erfahrung und dem Rat der Älteren und die Älteren von den Ideen der Jungen. Das finde ich toll!“

„Es gibt kein Alter, in dem man nicht noch etwas Neues lernen oder ausprobieren kann“, schmunzelt Tanja. „Mir fällt auf, dass das Geschlechterverhältnis in der Skatehalle ein anderes ist als in der Pflege. In der Pflege gibt es mehr Frauen als Männer. In der Skatehalle mehr Männer als Frauen. Mir persönlich ist wichtig, dass sich niemand von Alter oder Geschlecht davon abhalten lässt, etwas Neues auszuprobieren. Wenn man ein Ziel vor Augen hat, sollte man immer daran festhalten – egal, ob es den normativen Rollenbildern entspricht oder eben nicht. Das versuche ich auch meinem Sohn zu vermitteln.“

Und wird Tanja nun ihr wiederentdecktes Talent fürs Skaten weiter fördern? „Der Tag hat sich auf jeden Fall gelohnt!“, antwortet sie glücklich. „Ich dachte, dass ich es nicht schaffen würde, überhaupt ein paar Meter auf dem Board zu fahren, aber es hat alles prima geklappt. Und jetzt habe ich Lust draufzubleiben. Ich habe mir vor kurzem einen Longboard gekauft und kann jetzt mit meinem Sohn gemeinsam fahren. Entweder gemeinsam auf den Boards oder ich auf dem Board und er neben mir auf dem Fahrrad. Nur das Wetter muss mitspielen!“

Text: DRK Kliniken Berlin / Katarzyna Marek-Pokorny

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Maja_Schaefer, am 29. November 2021
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