#gibuns5: Viva la Pflegerevolution

Mit Musik und bunten Transparenten demonstrieren derzeit jeden Mittwoch Pflegekräfte vor dem Bundesministerium für Gesundheit – insgesamt 52 Wochen lang bis zur nächsten Bundestagswahl. Sie gehören zur Initiative #gibuns5, die Veränderungen im Gesundheitssystem vorantreiben möchte. Mit dabei: Das Team der Kreativwerkstatt der DRK Kliniken Berlin und viele unserer Mitarbeitenden!

Besuch bei der Mahnwache von #gibuns5

Es ist schon dunkel, als die Mahnwache vor dem Bundesministerium für Gesundheit in der Friedrichstraße beginnt. Ein Zelt und ein DJ Pult werden zwischen Friedrichstadtpalast und Ministerium aufgebaut. Intensivpfleger*innen, Gesundheits- und Krankenpfleger*innen und Auszubildende sind direkt nach der Schicht gekommen und tragen noch ihre Dienstkleidung. Ihre Müdigkeit, eine Corona-Leugner-Demo in der Nähe und die Kälte stören sie nicht. Sie sind hier, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und Politik auf die Probleme in der Pflege zu lenken. Probleme, die schon vor der Pandemie präsent waren.

Kurz nach 16 Uhr fangen die Demonstranten mit ihrer Veranstaltung an. Aus dem Lautsprecher kommt Musik, die allen aus dem Radio bekannt ist. Nur mit einem anderen Text: „Wir gehen voran. Heute ist wieder der Pflegemittwoch“, singt mit großer Überzeugung unser Mitarbeiter Valentin Herfurth. Direkt nach dem Lied kommt Marta zum Mikrofon. Sie begrüßt die Kollegen und Passanten, die neugierig warten, was als nächstes passiert.

Marta erzählt über sich und ihre Ausbildung und beginnt mit der ersten Forderung der Initiative #gibuns5. Drei große Polizeiautos sichern die Kundgebung. Aus dem Publikum kommt die Frage, ob die Aktivisten Teil der Corona-Leugner-Demo seien. „Wir gehören nicht zu dieser Demo!“, ruft Valentin empört in Mikro. „Ich arbeite auf der Intensivstation! Ich weiß, dass das Virus existiert! Wir sind hier für die Pflege!“ Sein Satz geht im lauten Applaus unter.

Hinter #gibuns5 steckt die Bewegung Walk of Care

Die Initiative #gibuns5 ist eine Aktion der Bewegung Walk of Care, die schon seit 2016 mit bundesweiten Veranstaltungen und Demonstrationen am Internationalen Tag der Pflege auf sich aufmerksam macht und von dem Team unserer Kreativwerkstatt mit organisiert wird. Auf der Internetseite digitalwalkofcare.org schreiben die Aktivisten, dass sie „ein gesellschaftliches Umdenken in der Gesundheitsversorgung fördern und mit den Forderungen konkretes politisches Handeln voranbringen“ wollen.

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„Immer weniger Menschen lernen die Pflege- und andere Gesundheitsberufe. Unsere junge Generation arbeitet nur noch ganz selten in Vollzeit und verlässt den Beruf häufig frühzeitig nach wenigen Jahren. Gleichzeitig steigt der Pflegebedarf durch den demokratischen Wandel“, berichtet Pfleger Valentin Herfurth in einem Beitrag des rbb fernsehen zur Initiative #gibuns5.

Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten, Überlastung, nicht immer gute Arbeitsbedingungen führen zur steigenden Unzufriedenheit bei der Pflegenden. Dazu kommt Fokus der Gesundheitswirtschaft auf Gewinnmaximierung statt auf Menschen. „Nur eine schnelle, systematische Änderung kann das Gesundheitssystem vor dem Kollaps retten“, findet unsere Auszubildende Lydia Große, die an diesem Mittwoch auch in der Gruppe vor dem Gesundheitsministerium mit dabei ist. Die DRK Kliniken Berlin bieten ihren Mitarbeitenden zahlreiche Benefits und ein Tarifgehalt mit regelmäßigen Gehaltssteigerungen, um auszugleichen, was auf anderen Ebenen schiefläuft.

Erste Erfolge und prominente Unterstützung

Die Initiative #gibuns5 hat schon erste Erfolge erreicht. Das Interesse der Medien wurde geweckt, während der Mahnwachen vor dem Friedrichstadtpalast sind Pressefotografen vor Ort. Vor Kurzem hat das rbb fernsehen in einem Beitrag über die Kreativwerkstatt der DRK Kliniken Berlin und #gibuns5 berichtet. Die Reportage könnt ihr in der Mediathek des rbb sehen und den Podcast dazu hören.

Die Aktivisten warten aber nicht nur auf das Interesse der Medien, sie haben auch selbst einen Spot produziert und einflussreiche Unterstützer gefunden: unter anderem die Bundespflegekammer, den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe, die DRK-Schwesternschaft Berlin, den Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe.

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Auch Prominente engagieren sich für #gibuns5: die Schauspieler Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jella Haase, Hannah Herzsprung, Friedrich Mücke, Volker Bruch und Fahri Yardim, die Comedians Michael „Bully“ Herbig und Cordula Stratmann treten im Video auf. Es beginnt mit dem Satz: „Das Jahr 2020 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum weltweiten Jahr der Pflegenden und Hebammen erklärt. Welch Ironie des Schicksals.“

Fünf Forderungen für die Zukunft der Pflegeberufe

Die Aktion #gibtuns5 dreht sich um fünf Forderungen:

  • Gesetzliche Personalbemessung: Es geht um ein Bemessungsinstrument, das anhand der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse eine verbindliche Anzahl an Pflegenden auf Station festlegt. Es soll eine Mindestbesetzung berechnet werden und im Endeffekt mehr Personal angestellt werden.
  • Gute Ausbildung: Es soll mehr Zeit für die praktische Ausbildung geben, eine bundeseinheitliche Ausbildungspauschale angeboten und die Ausbildung zu einem Bachelorstudium umgewandelt werden.
  • Fort- und Weiterbildung: Lebenslanges Lernen ist derzeit in allen Berufen nötig, auch in der Pflege. Aus diesem Grund fordern die Aktivisten die Einführung von verpflichtenden Weiterbildungen für alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen und eine neue Weiterbildungsordnung, die Pflegenden eine Spezialisierung ermöglicht.
  • Gerechte Finanzierung statt Gewinnmaximierung: Die verantwortungsvolle Arbeit muss angemessen bezahlt werden. Es wird ein neues Konzept für die Finanzierung der Krankenhäuser, der ambulanten und stationären Pflege gefordert.
  • Politische Mitbestimmung aller Gesundheitsberufe: Die Entscheidungen über das Gesundheitssystem werden bisher hauptsächlich innerhalb von Institutionen getroffen. #gibuns5 fordert, dass die Pflegenden mehr Mitspracherecht bekommen, zum Beispiel durch die Stärkung der Gewerkschaften oder eine stärkere Einbindung der pflegerischen Fachexpertise in Krisenstäbe.

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Optimismus vor dem Gesundheitsministerium

Obwohl das Anliegen ernst ist, ist die Stimmung vor dem Bundesministerium für Gesundheit positiv und von Optimismus erfüllt. Die Protestierenden tanzen, um in der Herbstkälte warm zu bleiben. Einer nach dem anderen geht ans Mikro, um seinen Beitrag zu leisten. Antonia, Krankenpflege Auszubildende, singt „Viva la Pflegerevolution“. Das Lied entstand während der vorletzten biz Pflegekonferenz in unserem Bildungszentrum. Fast ist sie traurig, dass sie das Mikro danach an Lea aus unserer Kreativwerkstatt weitergeben muss.

Auch Du kannst die Initiative #gibuns5 unterstützen! Nimm an der Mahnwache jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr vor dem Bundesministerium für Gesundheit teil – mit Maske und Abstand natürlich. Oder sei in den Social Media dabei, indem Du ein Foto machst, wie Du High Five in die Kamera gibst, und es auf Facebook, Instagram & Co mit dem Hashtag #gibuns5 postest.

DRK Kliniken Berlin / Katarzyna Marek-Pokrony

Katarzyna, am 20. November 2020
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