„Wie schön, wenn jemand dem Tod von der Schippe springt“: Susanne, Stellv. Leitende Physiotherapeutin

Völlig unerwartet wurde unsere Physiotherapeutin Susanne vor einem halben Jahr gefragt, ob sie Lust hat, Stellvertretende Leiterin des Physio Teams in den DRK Kliniken Berlin Köpenick zu werden. Aber eigentlich ist das nur logisch, schließlich ist sie allseits bekannt für ihre Stressresistenz und ihr Organisationstalent. Also: mehr Verantwortung übernehmen? Keine Frage, das macht sie gern! Im Interview erzählt Susanne über traurige und schöne Momente auf der Intensivstation, auf der sie ihren Arbeitsschwerpunkt hat.

Wie bist Du Stellvertretende Leitende Physiotherapeutin geworden?

Vor etwa einem halben Jahr wollte die bisherige Stellvertretende Leitung ihre Aufgabe aus persönlichen Gründen abgeben. Gleichzeitig war es ihr auch wichtig, uns jüngeren Kolleg*innen mehr Verantwortung zu geben. Dann haben sich die Standortleiterin Katrin und der standortübergreifende Gesamtleiter Andreas zusammengesetzt und überlegt, wen sie sich für die Position vorstellen könnten, und sind auf mich und eine andere Kollegin zugekommen.

Das war eine große Überraschung für uns, wir ahnten nichts davon! Ich denke, sie haben mich ausgesucht, weil ich vorher lange mit der Leitenden Physiotherapeutin auf der Intensivstation zusammengearbeitet hatte und wir ein gutes Verhältnis zueinander hatten. Sie weiß, dass ich entspannt an hektische Situationen herangehe und den Überblick behalte, was das Organisatorische angeht. Die Idee, mir die Stellvertretende Leitung mit einer Kollegin zu teilen, fand ich auch gut. Man fühlt sich nicht so alleine!

In einer Führungsposition versteht man erst, dass im Hintergrund unwahrscheinlich viele Dinge ablaufen, von denen man als normales Teammitglied nichts mitbekommt. Zum Beispiel eröffnen wir ja bald unsere neue Alterstraumatologie. Was da alles geschrieben und organisiert werden muss! Noch mehr Verantwortung möchte ich wirklich nicht übernehmen, denn es ist mir wichtig, trotz administrativer Aufgaben immer noch viel am Patienten zu arbeiten.

In welchen Fachbereichen ist das Team Physiotherapie im Einsatz?

Wir Physiotherapeut*innen sind zum Beispiel in der Neurologie, der Geriatrie, der Unfallchirurgie und auf der Intensivstation im Einsatz. Es gibt auch eine Ambulanz, also auch wer die Arbeit in der Physiotherapie-Praxis mag, ist bei uns richtig.

Jeder hat so sein Spezialgebiet, wo er am liebsten arbeitet und für das er oder sie die passenden Fortbildungen hat, und es gibt in manchen Bereichen wie der Intensivstation Zweierteams, die meist zusammen eingeteilt sind. Man fühlt sich doch am wohlsten, wenn man seinen festen Bereich hat, den man kennt. Aber in Vertretungssituationen und am Wochenende müssen wir alle Fachbereiche abdecken.

Man muss aber nicht von Anfang an wissen, wo man seinen Schwerpunkt setzen möchte. Oft läuft es so, dass man auf der Unfallchirurgie „ins kalte Wasser geschubst wird“ und dann anfängt, sich zu überlegen, wo es einem gefällt. Ich habe auch ohne Fortbildungen auf der Intensivstation angefangen und mich erst später mit Atemtherapie, Lagerung und so weiter auseinandergesetzt.

Warum hast Du Dich für die Intensivstation entschieden?

Intensivstation klingt immer so schlimm, aber es ist ein schönes Arbeiten. Ärzt*innen, Pflegekräfte, Logopäd*innen, Ergo- und Physiotherapeut*innen behandeln Hand in Hand. Wenn einen eine Patientensituation belastet, gibt es immer jemanden, bei dem man sich den Kummer von der Seele reden kann.

Man bekommt auf der Intensivstation ein anderes Verhältnis zum Tod. Wenn man gesehen hat, wie jemand leidet, und sich fragt, welche Lebensqualität die Person noch hätte, wenn sie wieder nach Hause käme, ist es manchmal einfacher, jemanden gehen zu lassen. Natürlich gibt es Einzelschicksale, die man mit nach Hause nimmt. Es ist ein jahrelanger Lernprozess, bis man solche Dinge hinter sich lassen und nach Feierabend wirklich abschalten kann.

Andererseits gibt es Menschen, die wir wochenlang betreuen, vom Koma bis sie irgendwann auf der Normalstation wieder umherspazieren. Wir besuchen sie dort und erleben so viel Dankbarkeit dafür, dass wir sie so getriezt haben, damit sie wieder auf die Beine kommen. Wenn jemand dem Tod von der Schippe gesprungen ist, kompensiert das die Schwere auf der Intensivstation.

Auch an unseren anderen Standorten bieten wir tolle Jobs für Physiotherapeut*innen an. Du möchtest Dich bewerben? Hier geht´s zu den aktuellen Ausschreibungen!

Erzählst Du uns noch ein wenig Privates über Dich?

Ich bin in Köpenick geboren, habe aber lange im Westen von Berlin gewohnt und in den DRK Kliniken Berlin Westend gearbeitet. Dann ging es „back to the roots“, meine Familie ist umgezogen und ich habe mich nach Köpenick versetzen lassen. Insgesamt bin ich seit 15 Jahren im Unternehmen.

Ich bin sehr glücklich mit meiner Situation. Ich habe ein tolles, buntgemischtes Team aus männlichen und weiblichen, jüngeren und älteren Kolleg*innen, in dem jede*r eine Nische findet, wo er oder sie sich wohlfühlt. Meine Kinder sind mit 8 und 10 Jahren jetzt auch nicht mehr so klein und ich kann mich wieder mehr auf mich selbst und meine Arbeit konzentrieren. Ich erfülle nicht das Klischee von der Physiotherapeutin, die auch in ihrer Freizeit ständig Sport treibt. Stattdessen habe ich mit Kindern, Garten, Haus und Hund immer genug zu tun.

Text: DRK Kliniken Berlin /Maja Schäfer

Aline Creifelds, am 02. Juni 2023
Köpenick, Physiotherapie
Artikel teilen:
136